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162000 fehlen in den Kliniken!

162000 fehlen in den Kliniken!

16.06.2015

Klinik- Aktionstag - 162.000 Beschäftigte fehlen am 24.06.2015:

ver.di und Krankenhausbeschäftigte machen den Personalmangel sichtbar!

Bundesweit stehen 162.000 Menschen vor den Toren Ihrer Klinik. So viele Beschäftigte fehlen laut ver.di Personalcheck bundesweit in deutschen Krankenhäusern!

16 Kliniken in Südbaden beteiligen sich an Aktion!

Südbaden: ver.di zeigt gemeinsam mit den Krankenhausbeschäftigten am Mittwoch, den 24. Juni 2015, auf, wie viele Stellen geschaffen und finanziert werden müssen, damit eine qualitativ hochwertige Versorgung wieder möglich wird. Dazu hat ver.di jedem Krankenhaus von Flensburg bis Bad Säckingen Nummernschilder von 1-162.000 zugewiesen, die dem durchschnittlichen Personalbedarf der Klinik gemessen an Vollkraftstellen aller Krankenhäuser entspricht. In Südbaden beteiligen sich 16 Kliniken an der Aktion. Dies sind u.a. Spital Waldshut, Spital Bad Säckingen, die drei Kliniken des Landkreises Lörrach, Herzzentrum Bad Krozingen, Uniklinik Freiburg, Zentrum für Psychiatrie Emmendingen, BDH Klinik Elzach, Herzzentrum Lahr, Mediclin Lindenhöhe Offenburg, Ortenauklinikum in Offenburg, Lahr, Wolfach und Kehl.

Von den 162.000 Stellen entfallen rund 70.000 auf die Pflege. ver.di hat die Beschäftigten aufgefordert, am 24.06.2015 mit den Nummern für ihr Haus vor den Toren der Klinik zu stehen.

Ziel dieser Aktion ist es, der Gesundheitsministerkonferenz der Länder die am 24.06.2015 in Bad Dürkheim tagt, vor Augen zu führen, was wirklich notwendig wäre um eine gute Versorgungsqualität sicherzustellen. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Reform der Strukturen der Krankenhausversorgung geht weit am Ziel vorbei.

Das darin vorgesehene Pflegeförderprogramm stellt in den kommenden drei Jahren insgesamt bis zu 660 Millionen Euro für zusätzliche Stellen zur Verfügung. Zum Schluss sollen maximal 330 Millionen/Jahr bei den Kliniken verbleiben. Das hört sich nach einem großen Betrag an, es entspricht aber lediglich 6600 Stellen bundesweit. Das sind durchschnittlich maximal 3 zusätzliche Pflegekräfte pro Klinik oder nicht einmal 10% von dem was nötig wäre. Ob diese Stellen wirklich geschaffen werden, liegt im Ermessen der Klinikgeschäftsführungen. Was das Gesetz an Verbesserung für die Pflege plant ist schon erbärmlich, für andere Berufsgruppen ist gar nichts vorgesehen.

Im Gesetzentwurf ist permanent von Qualität die Rede, Qualitätskriterien, Qualitätskontrolle, transparente Qualität für die Patienten, Zu- und Abschläge für gute bzw. schlechte Qualität, Qualitätsverträge zwischen Kliniken und Krankenversicherungen sollen eingeführt werden. Das zum Erreichen einer guten Versorgungsqualität eine ausreichende Menge an Personal vorhanden sein muss, wird nirgends thematisiert.

Für die Qualität der Versorgung von Patienten ist es längst 5 Minuten nach 12. Selbst die deutsche Krankenhausgesellschaft räumt inzwischen in einer Pressemitteilung vom 27. Mai 2015 ein „Viele Krankenhäuser sind aber auch aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten zu engen Personalausstattungen gezwungen.“ Der 118. Deutsche Ärztetag äußert sich eindeutiger:“ Die Einführung der Diagnosis Related Groups (DRGs) hat dazu geführt, dass die Krankenhausträger die Personalstruktur ihrer Häuser massiv ausgedünnt haben. Dies hat vielerorts zu einem massiven Pflegenotstand geführt. Es ist ärztliche Aufgabe, auf gesetzliche Regelungen zu dringen, um eine Gefährdung unserer Patienten durch weitere Zunahme des Pflegenotstands auch in Zukunft zu vermeiden.“

Die Überlastungsanzeigen von Pflegebeschäftigten sprechen eine noch deutlichere Sprache, diese zeigen regelmäßig patientengefährdende Situationen an. Überall gibt es nur noch Notbesetzungen, Zeit für die Patienten bleibt da nicht. Die Arbeit kann nicht bewältigt werden. Im Ergebnis für die Patientenversorgung heißt das, Hygienevorschriften können nicht eingehalten werden. Patienten werden nicht gelagert oder mobilisiert, erforderliche Unterstützung beim Essen und Trinken kann nicht gewährleistet werden, Medikamente werden nicht zeitgerecht verabreicht. Patienten mit Problemen klingeln und es dauert lange bis jemand Zeit hat zu kommen. Skandale häufen sich. Der Pflegenotstand ist längst da. Die Not ist so groß wie die Anzahl der Demonstranten.

Nur die permanente Überlastung der Beschäftigten verhindert, dass die Versorgung zusammenbricht. Ständig wird gegen Arbeitsschutzgesetze verstoßen. Es wird über zehn Stunden gearbeitet, Pausen können nicht gemacht werden, an freien Tagen wird eingesprungen damit der Betrieb nicht zusammenbricht.

Was fehlt ist eine verbindliche gesetzliche Regelung zur Personalausstattung der Krankenhäuser und deren Finanzierung. ver.di fordert den Bundesrat auf, den Gesetzentwurf der Bundesregierung abzulehnen und auf eine gesetzliche Regelung zu drängen, die den Interessen der Patienten und denen der Beschäftigten Rechnung trägt.

 

Ver.di Ansprechpartner für Fototermine und O- Töne  sind möglich am 24.06.2015:

Spital in Bad Säckingen, Haupteingang um 13.00 Uhr bis 13.10 Uhr, Gaby Witwicki

Spital in Waldshut, Haupteingang um 13.00 Uhr, Klaus Spinner

Kreiskrankenhaus Emmendingen, Haupteingang um 12.00 Uhr bis 12.20 Uhr, Franka Weis

Uniklinik Freiburg, vor dem Neurozentrum, 13.00 bis 13.30 Uhr, Helmut Pötzsch

Pressekontakt

ViSdPR: Geschäftsführer, Reiner Geis, ver.di Bezirk Südbaden, Hebelstraße 10, 79104 Freiburg