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Tribunale, Aussperrungen, Hausverbot

Celenus

Tribunale, Aussperrungen, Hausverbot

23.10.2018

Privater Reha-Konzern Celenus geht nach Niederlage vor Gericht noch brutaler gegen Beschäftigte in Bad Langesalza vor, die lediglich ihre Grundrechte in Anspruch nehmen.

Gerade erst hat die Leitung der Celenus-Klinik an der Salza im thüringischen Bad Langensalza eine Klatsche eingesteckt: Das Arbeitsgericht Nordhausen erklärte die fristlosen Kündigungen der Gewerkschafterinnen Carmen Laue und Heike Schmidt vergangene Woche (18. Oktober 2018) für unrechtmäßig. Beide müssen von Celenus weiterbeschäftigt werden. ver.di nahm dies zum Anlass, im Tarifkonflikt auf den privaten Reha-Betreiber zuzugehen und erneut konstruktive Gespräche anzubieten. Um den ernsthaften Willen zum Kompromiss zu unterstreichen, setzte die Gewerkschaft den seit Monaten andauernden Streik aus. Doch statt nun endlich zu sozialpartnerschaftlichen Umgangsformen zurückzukehren, reagierte der Konzern mit maximaler Brutalität: Beschäftigte wurden einzeln »verhört«, ausgesperrt, vom Dienst freigestellt und mit Hausverbot belegt.

ver.di-Landesfachbereichsleiter Bernd Becker zeigte sich am Dienstag (23. Oktober 2018) »fassungslos« über das Vorgehen des zur französischen Orpea-Gruppe gehörenden Unternehmens. »Wir reichen dem Arbeitgeber zum wiederholten Male die Hand und er reagiert mit Aussperrungen, Freistellungen und einem Hausverbot.« Als die Streikenden am Montag ihre Arbeit wieder aufnehmen wollten, wurden sie vom Management in einem Raum isoliert und nacheinander zu Einzelgesprächen gerufen, wo fünf Arbeitgebervertreter sie erwarteten. Auch auf Verlangen wurde ihnen das Recht auf Hinzuziehung eines Betriebsratsmitglieds verwehrt. Ein Beschäftigter, der darauf bestand, wurde sofort von der Arbeit freigestellt und erhielt Hausverbot. Reinigungskräfte, die angeblich aus »betriebsbedingten« Gründen gekündigt wurden und sich in der Kündigungsfrist befinden, wurden ebenfalls von der Arbeit freigestellt.

»Ich bin schockiert, wie man hier mit Menschen umgeht, die ihr Recht nach dem Grundgesetz wahrnehmen«, kritisierte Gewerkschafter Becker. »Ich dachte immer, dass wir diese Zeiten überwunden hätten.« Dass Beschäftigte einer Gesundheitseinrichtung im 21. Jahrhundert zu »Tribunalen« geladen werden, weil sie streiken, sei unfassbar. Ganz offensichtlich gehe es dem Arbeitgeber nicht um eine inhaltliche Lösung, sondern darum, sich mit allen Mitteln durchzusetzen und einen Entgelttarifvertrag zu verhindern.

Das zeigt sich auch daran, dass etliche Beschäftigte ausgesperrt wurden. Insgesamt 15 von ihnen werden mittlerweile daran gehindert, ihrer Arbeit nachzugehen. Davon sind auch die Hälfte aller Therapeutinnen und Therapeuten betroffen. Nach Informationen von ver.di sind im Durchschnitt 90 Prozent der Betten belegt. »Es ist ganz klar, dass unter diesen Bedingungen die Therapien nicht vollständig stattfinden können«, so Becker. »Der Celenus-Spitze ist offenbar sowohl das Schicksal der Beschäftigten als auch die Versorgung der Patienten und die Zukunft der Klinik egal. Hier sieht man, was Profitmaximierung im Gesundheitswesen anrichten kann.«

ver.di stehe den Beschäftigten – von denen viele seit etlichen Jahren in Bad Langensalza arbeiten – weiterhin zur Seite, betonte Becker. »Die Aussperrungen sind unserer Auffassung nach klar rechtswidrig. Dagegen werden wir juristisch vorgehen.« Zugleich bietet die Gewerkschaft dem Unternehmen erneut Gespräche an und hat dafür bereits konkrete Termine vorgeschlagen. »Wir appellieren an den Arbeitgeber, die unwürdigen und unmenschlichen Methoden zu unterlassen und auf den Weg der Vernunft zurückzukehren.«

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